Der PAN-Kodex

I. Es gibt ein Feld der Veränderung und ein Feld der Nicht-Veränderung.

Alles, was sich verändert, ist aus etwas hervorgegangen, das sich nicht verändert. Alles, was sich bewegt, bewegt sich um eine stabile Achse, eine Mitte, die sich nicht oder kaum bewegt. Unsere Welt existiert aus einem Feld der Veränderung und einem verdeckten Feld der Stabilität. Als Beispiel für Stabilität kann die Zahl „Null“ in der Mathematik gesehen werden. Die Null gibt allen Zahlen ihren Bezugspunkt, ihren Inhalt, obwohl sie selbst keinen Inhalt hat. Sie ist quasi außerhalb von Raum und Zeit, nicht im Plus oder Minus und nicht in der Dualität. Und doch liefert sie die Matrix für alle Zahlen. Sie ist der Ursprung, aus dem Alles hervorgeht und zu dem Alles zurückkehrt.

Es ist erstaunlich, dass in einer Zelle der detaillierte Bauplan eines komplexen Organismus enthalten ist. Die Tendenz der Natur liegt im Streben nach Komplexität und Wachstum. Vom Einzeller zum Menschen.

Auch eine Gesellschaft strebt nach Komplexität und Wachstum, das ist ihr Überlebensmotor. Alles, was der Entfaltung der Komplexität im Wege steht, wird irgendwann in den Fokus gesellschaftlicher Normierung kommen. Es gab zum Beispiel Gesellschaften, in denen Pädophilie nicht strafbar war. Heute wissen wir, dass sie der Entfaltung einer gesunden Persönlichkeit diametral entgegensteht.

Traumata verhindern Wachstum.

Es könnte sein, dass Gesellschaften der Zukunft im Rückblick auf unsere heutige Zeit sagen: Die damalige Verschmutzung des Geistes durch medialen Schrott wird bei uns nicht mehr akzeptiert.

II. Das Feld der Nicht-Veränderung kann jeder Mensch erfahren, wenn er innerlich zur Ruhe kommt.

Die Unruhe in der Welt ist ein Spiegel innerer Unruhe. Leistungsdruck, Konsumwünsche, emotionaler Stress blockieren unser Potenzial und machen krank. Die Zukunft unserer Gesellschaft wird sich an ihrem Umgang mit Stress entscheiden. Stress steht umsichtigem Handeln im Weg. Das Streben nach Anerkennung wird zusehends ein Wettlauf zwischen Minderwertigkeitsgefühlen auf der einen, und der Versuch die Disbalance durch Anerkennung auf der anderen Seite zu kompensieren.

Jeder Mensch versucht etwas im Leben zu finden, wo er richtig ist, wo er angekommen ist, wo er selbstsicher handelt, wo er zur Ruhe kommt. Es gibt Menschen, die quasi dafür geboren sind, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Von der politischen Agenda Angela Merkels kann man halten was man will, interessant ist der Gesichtspunkt, dass sie in all den Jahren an den Hebeln der Macht, den Eindruck erweckt, da genau richtig zu sein und diese Selbstsicherheit nicht von ihrem Ego ausgeht. Sie „kann“ einfach Bundeskanzlerin.

Es gibt für jeden Menschen einen Platz in der Gesellschaft, an dem er seine Fähigkeiten optimal einbringen kann. Wir müssen nur die Voraussetzungen schaffen, dieses enorme Potenzial zuzulassen.

Wir brauchen zum Überleben die Fähigkeiten unterschiedlicher Persönlichkeitstypen. Alle Sozialgefüge in der Natur brauchen das. Gleichmacherei ist unmenschlich und es wäre fatal, wenn wir den "Natural born leaders" (die man unter anderem daran erkennt, dass sie in ihrer Position nicht gestresst sind und nicht ständig mitteilen müssen, wie toll sie sind) unter uns den Weg an die Macht verbauen.

III. Innerlich zur Ruhe kommt, wer sein Ego in Demut relativiert.

Bauen wir unsere Identität auf Dingen auf, die der Veränderung unterliegen, wird unsere Identität instabil und wir müssen uns immer wieder selbst bestätigen. Wir fühlen uns dann schnell in unserer Identität angegriffen. Die Außenwelt wird dann häufig als bedrohlich gesehen und Aggressivität hat hier ihre Wurzel.
Erkennen wir, dass das, was wir uns als Identität zurecht gelegt haben (z.B. mein Körper, meine Überzeugungen, mein Besitz) vergänglich ist, wird das Relative nicht mehr zum Absoluten erhoben, die Götzen nicht mehr zu Göttern erhoben.

Der Wesenskern eines Menschen legt auf Macht, Besitz und Anerkennung keinen Wert. Man könnte diesen Wesenskern mit Licht, Bewußtsein, Selbst oder auch Gott bezeichnen. Als Partei liegt es uns fern, in irgendeiner Weise als religiöse Missionare auf zu treten. Uns reicht die Beschreibung dessen, was dieser Wesenskern, diese Mitte, nicht ist. Das was Unruhe erzeugt ist es nicht und was wir in wacher Ruhe in uns erkennen können, bleibt in seiner Beschreibung jedem Selbst überlassen.

Auf Politiker bezogen, wird in diesem Bezug auf eine innere stabile Mitte der Freiraum geöffnet, sich eine Haltung von Demut der Aufgabe gegenüber zu erlauben.

IV. In der Ruhe liegt die Kraft.

Die Fähigkeit zwischen "Brauchen" und "Wollen" zu unterscheiden, ist in der Konsumgesellschaft die Basis für Gesundheit.

Gesundheit heißt, dass sich die Fähigkeiten, die in uns angelegt sind, entfalten können. Hier gilt das Prinzip Mikrokosmos gleich Makrokosmos, was meint, dass eine Gesellschaft, die von Angst durchzogen ist, ihr Lösungspotenzial nicht aktivieren kann.

Angst kreist häufig darum, dass sich die Dinge nicht zum Guten entwickeln könnten. Das Ambivalente daran ist, dass eben diese Angst das Gute, Freie, Gesunde blockiert, was in uns angelegt ist und erlebt werden möchte.

Mark Twain hat es so formuliert: „Ich hatte mein ganzes Leben lang viele Probleme und Sorgen. Die meisten von ihnen sind aber niemals eingetreten.“

Nehmen wir den Placebo Effekt in der Medizin. Das Vertrauen in die Heilkraft eines Medikamentes ohne Wirkstoff, erschafft die Wirkung!? Diese Kraft sollten wir nutzen!

V. Kraft und Demut sind die Basis für umsichtiges Handeln.

Demut dem Leben gegenüber ist mit der Erkenntnis verbunden, dass alles auf dieser Welt zum Ganzen gehört, seine Berechtigung hat und alles miteinander verbunden ist. Diese Zusammenhänge zu sehen, läßt uns umsichtiger handeln und entkräften jede Form von Extremismus. Politik darf auch so weit gehen, sich einzusetzen für ein bestmögliches Umfeld, in dem jeder Mensch Sinnhaftigkeit in seinem Leben finden kann. Früher haben dies Religionen übernommen und dabei ein enges Bild von Bestimmung des Menschen verbreitet. Ohne den Einfluss der Religion ist sicher mehr Freiheit in die Welt gekommen, im gleichen Maße aber auch Verwirrung, wo es lang geht im Leben. Bevor wir vor lauter Überforderung wieder anfangen, die Freiheit einzuschränken, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass sich die bislang errungene Freiheit vorwiegend auf das äußere Feld der Veränderung bezieht (Reisefreiheit, Konsumfreiheit, sexuelle Freiheit) und noch nicht in unserer inneren Wirklichkeit angekommen ist.

Auf einen Politiker bezogen wäre die Vision: In sich ruhend, aus innerer Gewissheit heraus handelnd.